Eine musikalische Zeitreise: 50 Jahre IKG im Spiegel der Musik
- Wir sind mutig.

- 18. Juli 2025
- 3 Min. Lesezeit
Wir schreiben das Jahr 2023. Es ist mit Abstand das heißeste seit Beginn der Klimaaufzeichnungen. Die Menschen in Mitteleuropa stehen noch immer unter den Folgen der Einschränkungen während der Corona-Pandemie, genießen nun trotz multipler Krisen ihre wiedergewonnene Freiheit. Zwei Künstler, die unterschiedlicheren Generationen und Stilrichtungen kaum angehören könnten, beschließen, gemeinsam einen Song zu machen – einen Song, der Generationenkonflikte überbrücken kann.
Mit einem souveränen Rap-Solo von John Schulz und einer spielfreudigen Lia Hochmuth am Cajon eröffneten die Klassen 6bc mit diesem Kracher – Komet von Apache 207 und Udo Lindenberg – die musikalische Reise an diesem besonderen Konzertabend am Immanuel-Kant-Gymnasium.
Blick in die Zukunft, Griff in die Vergangenheit
Die Theater-AG unter der Leitung von Alexander Lederer und Anja Güsgen drehte den Fokus um und warf einen Blick in die Zukunft. In dem vom Kollegen selbst getexteten Stück Zurück ins Kreidezeitalter kamen zahlreiche Anspielungen auf eine hypertechnisierte Lernumgebung vor, in der Roboter und individualisierte KI-Lern-Assistenzen die Klassenzimmer bestimmen. Von dort aus warf das frisch und humorvoll spielende Ensemble einen Blick zurück auf das Zeitalter der Tafelkreide in den Gründungsjahren der Schule – eine charmante Zeitschleife, die das Publikum zum Schmunzeln brachte.
Sauna als Zufluchtsort
2025 – das Jahr, in dem die Welt komplexer denn je scheint und Menschen nach Orten der Ruhe suchen.
Die Klassen 5ab boten zu Klängen zwischen Folklore und Four-to-the-Floor-Clubbeat ihre ganz eigene Interpretation des eben erst auf dem Eurovision Song Contest auf die Bühne gebrachten schwedischen Beitrags Bara Bada Bastu, der die Sauna als egalitär-eskapistischen Rückzugs-Ort vor dem Chaos der Welt zelebriert. Launisch dabei die solistisch vorgetragenen (in unserem Fall deutschen und auf die klimatischen Bedingungen im Schulgebäude bezogenen) Rap-Parts, sangesfreudig-spritzig die Hook mit Ohrwurm-Qualität.
Die Stille der Neunziger
1990 – die Mauer ist gefallen, die Welt steht vor einem neuen Jahrzehnt voller Möglichkeiten und Unsicherheiten. In diese Zeit der Umbrüche passt Enjoy the Silence von Depeche Mode wie ein Soundtrack zur Sehnsucht nach innerem Frieden.
Die Band-AG griff diesen Klassiker in der Version von Mike Shinoda auf und lieferte fulminante Klänge von Synthesizern und Keyboard (Georg Puchinger, Markus Breithaupt), E-Bass (Priyanka Emhardt), Schlagzeug (Ismael Tigmouti) und Lehrer Sven Salomon an der Lead-Gitarre und den Backing Vocals. Der Stimmklang Coco Michlers changierte dabei zwischen Zerbrechlichkeit und Rockröhre und fing die Ambivalenz dieser Zeit perfekt ein.
Persönliche Soundtracks
Die Tanz-AG hatte sich ein besonderes künstlerisches Konzept zu eigen gemacht und mit der gebotenen Eleganz tänzerische Schlaglichter auf diejenigen Songs der vergangenen Jahrzehnte geworfen, die prägend für wichtige Personen unserer Schulgemeinschaft wie Schulleiter Hans Bahner oder Chemie-Lehrer Onur Geyik waren. Eine berührende Hommage an die Menschen, die das IKG prägen.
Country Roads in die Siebziger
Mit einer Auswahl der schunkeligsten Songs des Country-Stars John Denver katapultierte uns der Unterstufenchor nun endlich zurück in die Gründungszeit des Immanuel-Kant-Gymnasiums in den 1970ern.
Es war die Zeit des Aufbruchs, der Rockfestivals und der Sehnsucht nach Authentizität. Großer Enthusiasmus bei Country Roads, filigrane Klänge beim Walzer Annie's Song und zackige Verve bei der Hommage an die amerikanische Countryside Thank God I'm a Country Boy – John Denver hätte seine Freude gehabt.
Zwischen den Fingern
1981 steht ABBA kurz vor der Trennung, die Disco-Ära geht zu Ende, und Björn Ulvaeus und Benny Andersson schaffen mit Slipping Through My Fingers einen ihrer emotionalsten Songs über das Erwachsenwerden und die Vergänglichkeit der Zeit.
Sophia Wolff schuf einen der Gänsehaut-Momente des Konzerts mit ihrem einfühlsamen Act zu diesem zeitlosen Klassiker.
Revolte im Musiktheater
Ein weiterer Throwback führte zu den selbstgeschriebenen Schubert-Arrangements des Leistungsfaches Musik, das mit seinem künstlerischen Niveau das Konzert bereicherte – eine Brücke zwischen der Romantik des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart.
Dann unvermittelt ein Abstecher in die 2010er-Jahre – eine Zeit, in der das Musiktheater neue Wege sucht und findet. 2011 feierte Matilda The Musical im Londoner West End Premiere und revolutionierte mit seiner raffinierten Komposition die Showbühnen. Das Leistungsfach präsentierte "Revolting Children" mit einem einfühlsamen Solo von Niklas Brauer, während die Schüler*innen große stimmliche und instrumentale Präzision bei dem energetisch zwischen 4/4- und 7/8-Takt wechselnden Showstopper zeigten.
Der große Bogen
Den großen Höhepunkt des Konzerts bildete der Projektchor des IKG mit den Mamma Mia Highlights – ein Werk, das gewissermaßen selbst die Zeit unserer Schule überspannt. Der Song "Mamma Mia" von ABBA erscheint 1975, 1999 wird das Musical um diesen Song kreiert, 2008 kommt der Film heraus. Man hätte keinen passenderen Abschluss für das Konzert finden können. Mit opulentem Stimmklang und be-swingtem Musizieren der Sänger*innen, einfühlsam begleitet von Robin Schmidt (Drums), Daniel Langer (E-Bass) und Sven Salomon (Keys), schloss sich der Kreis der 50 Jahre IKG.
Frenetischer Applaus beschloss den Abend. Das Konzert zeigte eindrucksvoll, welche Früchte die Arbeit der letzten Jahre trägt. Herzlichen Dank an alle Mitwirkenden, insbesondere auch jenen hinter den Kulissen wie der SMV (Verkauf) und der Technik-AG. Die Spenden kommen der Kultur-Arbeit am Immanuel-Kant-Gymnasium zugute – für weitere 50 Jahre Musik, die Generationen verbindet.
\ Gz







