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Bundesliga hautnah: Wenn Sportkurse zu Ultras werden

Was als harmlose „Anmeldung zur Exkursion“ begann, entwickelte sich am 10. Februar 2026 zu einem akustischen Selbstversuch der besonderen Art. Mit sage und schreibe 138 Schülerinnen und Schülern der Sportbasis- und Sportleistungskurse der K1 und K2 machten wir uns auf den Weg in die Porsche-Arena zum Handball-Bundesligaspiel TVB Stuttgart gegen den ThSV Eisenach.


Offiziell stand auf dem Programm:

1.     Exklusiver Vortrag zum Thema „Sportmanagement – Vom Studium zum Management in einem Profiverein“

2.     Hallenführung durch die Porsche-Arena

3.     Handball auf Bundesliga-Niveau


Inoffiziell stand auf dem Programm:

1.     Dezibel-Test im Grenzbereich

2.     Spontane Karriere eines Schülers als Ultra-Trommler

3.     Kollektive Verwirrung bei der Regelauslegung


Bevor es sportlich zur Sache ging, durften die Sport Leistungskurse im Rahmen einer Hallenführung und eines anschließenden Vortrags hinter die Kulissen eines Profivereins blicken. Plötzlich ging es nicht mehr nur um Sprungwürfe und Siebenmeter, sondern um Marketingstrategien, Sponsorenverträge, Organisation von Spieltagen und die Frage, wie man eigentlich vom Sportstudium ins Management eines Bundesligavereins gelangt. Spätestens bei der Fragerunde im Saal der Pressekonferenz fühlten sich einige von uns wie angehende Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer eines eigenen Vereins, während andere gedanklich noch beim Pausensnack waren. Doch insgesamt war dieser Teil überraschend spannend und zeigte eindrucksvoll: Ein Sportunternehmen wie der TVB Stuttgart besteht aus weit mehr als nur muskulösen Rückraumspielern.



Dann kamen auch die Basiskurse an und es wurde angepfiffen. Und was für ein Spiel!


Die WILD BOYS des TVB Stuttgart lieferten sich mit Eisenach einen echten Krimi. 33:31 lautete am Ende das Ergebnis. Ein hart erkämpfter Heimsieg. Zwischenzeitlich wechselte die Führung gefühlt im Minutentakt, Siebenmeter wurden verwandelt, Auszeiten genommen, Spieler warfen sich mit vollem Körpereinsatz in jede Aktion. Genauso sieht das Handballspiel auch bei uns im Schulunterricht aus, na ja, zumindest fast. Während ein Teil unserer Kurse fachmännisch über Abwehrsysteme, Rückraumwürfe und taktische Wechsel diskutierte, stellte sich der andere Teil leise oder eher brüllend gegen die Trommeln die Frage:„Warum hat der jetzt den Ball wieder abgegeben?“ „War das Foul oder gehört das so?“ „Darf man den einfach festhalten?“


Handball ist schnell. Sehr schnell. Und wenn man einmal kurz geblinzelt hat, stand es plötzlich 21:20 oder 23:23, und niemand wusste so genau, wie es dazu gekommen war. Aber eines war klar: Spannend war es. Und am Ende jubelten wir mit 5.000 weiteren Zuschauern über einen 33:31-Sieg, auch wenn manche erst beim Blick auf die Anzeigetafel realisierten, wer eigentlich gewonnen hatte.


Nun zu unserem strategisch äußerst „glücklich“ gewählten Sitzplatz: direkt vor den Ultras. Genauer gesagt: direkt vor den Trommeln der Ultras. Was zunächst nach besonders intensiver Stimmung klang, entwickelte sich zu einer praktischen Demonstration der Schallausbreitung in geschlossenen Räumen (auch hier zeigt sich der große Gewinn des Sportunterrichts, da er endlich mal praktisch erfahrbar macht, was man in Orchideenfächern wie Physik nur in der Theorie lernt). Jede Attacke der WILD BOYS wurde von rhythmischem Trommeln begleitet, das vermutlich noch in Leinfelden messbar war.


Am nächsten Morgen in der Schule zeigte sich das Ausmaß, denn einige Schülerinnen und Schüler entwickelten über Nacht eine erstaunliche selektive Schwerhörigkeit:„Wie bitte?“ „Kannst du das wiederholen?“ „Ich höre nur ein Rauschen.“


Einzig die Begleitlehrkräfte bewiesen wahre Lebenserfahrung: Sie nahmen die am Eingang kostenlos angebotenen Ohropax dankend an. Während die meisten also versuchten, die eigenen Trommelfelle neu zu kalibrieren, saßen die Lehrkräfte am nächsten Tag entspannt im Unterricht und hörten jedes geflüsterte Gespräch in der letzten Reihe. Punktsieg für die Lehrkräfte.


Das absolute Highlight des Abends lieferte jedoch Ismail aus dem K2-Leistungskurs. Noch bevor das Spiel überhaupt begonnen hatte, verschwand er zielstrebig Richtung Ultras. Keine Scheu, kein Zögern, und kurze Zeit später stand er an der Trommel. Und nicht an irgendeiner Trommel. Während wir noch unsere Plätze suchten, hatte Ismael offenbar bereits einen Kurzzeitvertrag als Unterstützung der Fankurve unterschrieben. Im Laufe des Spiels steigerte er sich vom ambitionierten Gasttrommler zum gefühlten Haupttrommler seines ersten Handballbundes-ligaspiels. Der Höhepunkt: Am Ende durfte er sogar die legendäre Trommel mit dem Kuhglockengeräusch spielen, jene, die den Takt für die gesamte Kurve vorgab. Ein Schüler, eine Trommel, eine Arena. Wenn das kein Karriereweg im Sportbusiness ist. Man munkelt, der TVB prüft derzeit eine Festanstellung im Bereich „Rhythmusmanagement“.


Was als schulische Exkursion begann, wurde zu einem rundum gelungenen Event für beide Jahrgänge, K1 und K2. Wir erlebten:

• spannende Einblicke in das Sportmanagement• eine exklusive Hallenführung• ein packendes Bundesligaspiel mit 33:31-Krimi-Ende• akustische Grenzerfahrungen• und die Geburtsstunde eines neuen Ultra-Trommlers


Ja, es war lang. Ja, es war laut. Und ja, manche wissen bis heute nicht ganz genau, wann es eigentlich Siebenmeter gibt. Aber genau das machte diesen Abend zu einem besonderen Erlebnis, das uns im wahrsten Sinne des Wortes noch lange in den Ohren klingen wird.


\ Alb

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