Zwischen Dachau und Deutschem Museum: Die gesellschaftswissenschaftliche KANT-Fahrt nach München
- Wir sind weltoffen.

- 27. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Mittwoch: Die KZ-Gedenkstätte Dachau
Am Mittwoch, den 22. Juli, führte die Fahrt zunächst nach Dachau. Im Rahmen eines gedenkstättenpädagogischen Angebots wurden die Schüler:innen behutsam an die Geschichte der Opfer herangeführt – nicht als abstrakte Zahl, sondern als individuelles Schicksal. Der Rundgang durch die Dauerausstellung im ehemaligen Wirtschaftsgebäude, über den weiten, stillen Appellplatz, durch die rekonstruierten Baracken bis hin zum Krematoriumsbereich, der heute vor allem dem Gedenken an die Opfer dient, hinterließ bei vielen einen bleibenden Eindruck.
»Ich habe keinen Hass. Wenn ich hassen würde, wäre ich nicht besser als diejenigen, die uns das angetan haben. Aber vergessen – vergessen kann ich es nicht. Ich erzähle es den Jungen, damit sie aufpassen, wo Vorurteile anfangen.« — Hugo Höllenreiner, Sinto und Überlebender von Dachau
Solche Zeitzeug:innenstimmen begleiteten die Auseinandersetzung mit dem Ort – auch dort, wo sie nicht laut ausgesprochen wurden, standen sie im Raum.
Ankommen, Verarbeiten, Zusammensein
Nach einem Vormittag, der viel an Aufmerksamkeit und emotionaler Auseinandersetzung forderte, folgte bewusst Zeit zum Durchatmen: Nach dem Bezug der Zimmer in der malerisch am Isarhochufer gelegenen Jugendherberge München-Park in Thalkirchen stand den Schüler:innen Zeit zur freien Verfügung offen – Raum, den viele auch nutzten, um das Gesehene und Gehörte im Gespräch zu verarbeiten. Den Tag ließ die Gruppe bei einem gemeinsamen Abendessen im Augustiner Schützengarten ausklingen.
Donnerstag: Wahlangebote zwischen Geschichte und Gegenwart
Auch der Donnerstagvormittag stand im Zeichen historisch-gesellschaftlicher Fragen – diesmal in drei parallelen Wahlangeboten. Eine Gruppe erkundete mit Herrn Sautter den Olympiapark und das Olympische Dorf: ein Ort mit doppeltem Gesicht, der 1972 zum Tatort des Attentats auf die israelische Mannschaft wurde und zugleich – Stichwort mögliche Olympia-Bewerbungen für 2036, 2040 oder 2044 – bis heute für städtebauliche Zukunftsvisionen steht.
Wer sich für das NS-Dokumentationszentrum entschied, erhielt in Führungen teils sehr persönliche Einblicke in die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus, in Münchens Rolle als „Hauptstadt der Bewegung" und in Lehren, die sich daraus für die Gegenwart ziehen lassen. Im Amerikahaus am Karolinenplatz wiederum setzte sich eine dritte Gruppe mit dem deutschen Verhältnis zu den Amerikas auseinander.
»Das Gedenken an die Opfer darf kein Ritual bleiben. Es muss uns Verpflichtung sein für den Rechtsstaat und die Menschenwürde im Heute.« — Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma
Stadtrallye: München von seiner anderen Seite
Der Donnerstagnachmittag gehörte einer Stadtrallye, bei der die Schüler:innen München von seiner populären wie kuriosen Seite kennenlernten: vom berühmten „Teufelstritt" in der Frauenkirche über den Englischen Garten bis hin zum Leberkäs-Eis beim „Verrückten Eismacher" – ein bewusster Kontrast, der Raum für Leichtigkeit ließ, ohne die Erlebnisse der vorangegangenen Tage zu verdrängen.
Freitag: Deutsches Museum und Heimfahrt
Nach einer kurzen Nacht stand am Freitag noch ein Besuch des Deutschen Museums auf dem Programm, bevor es nach einem kleinen Snack zurück nach Leinfelden-Echterdingen ging.
Die vier Tage in München verbanden historisches Lernen am authentischen Ort mit Stadterkundung, gesellschaftspolitischer Reflexion und gemeinsamem Erleben. Was bleibt, bringt ein Satz auf den Punkt, der bis heute nachwirkt:
»Ihr seid nicht verantwortlich für das, was war. Aber ihr seid verantwortlich dafür, dass es nicht wieder geschieht.« — Max Mannheimer, Überlebender von Auschwitz und Dachau, langjähriger Präsident des Lagerkomitees Dachau
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